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| Du wirst gebraucht | 1:00 |
| Heute ist der Ozean | 1:08 |
| L’Automne aux Ardennes | 0:25 |
| Räuber Huckepack | 0:30 |
| Der Zimmermann | 0:20 |
| Ernos Erotos | 1:38 |
| Pelagius Rap | 6:18 |
| Moritat | 2:00 |
| TRILOGIE | |
| Completorium
(Jugo Vesper) |
5:25 |
| Requiem | 0:56 |
| Nocturn, (Oh, Schwarze Blume) | 1:30 |
| Cevapcici | 0:44 |
| Gutachten | 1:03 |
| Lieber Gott nimm dich in Acht | 3:41 |
| Das Lachverbot | 4:00 |
| Wetterprognosen | 7:03 |
| B) 4 Tracks zur Italienischen Uebersetzung von Diego Malcangi | |
| Oggi l`oceano | 1:08 |
| Tornano i bigotti | 0:30 |
| Requiem | 0:56 |
| Moritat | 2:00 |
C)
Bonusmaterial mit den Lebensläufen und Werkverzeichnissen der
Autoren und der mitwirkenden Personen. Weiter Informationen
zu Videos und Texten.
PIL CRAUER
Die Frommen, sie kommen
allen Ayatollanten, Papisten, Hindukraten und Sektanten gewidmet
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In
Deinem Namen, Lieber
Gott, nimm Dich in acht, Sie
nehmen ihren Hass ihre
Launen Ihre
Falschheit Die
zügellose Verleumdung Ihre
Boshaftigkeit Ihre
Untreue Ihre
bösen Taten Lieber
Gott, nimm Dich in acht, Alles,
was sie tun, Ach,
lieber Gott, nimm Dich in acht Lieber
Gott, nimm Dich in acht, Alle Rechte vorbehalten |
„Lieber Gott, nimm dich in Acht, die Frommen, sie kommen!“
ist in seiner Urform 1971 entstanden und zeigt eines der Hauptprobleme Probleme von Crauers Schaffen.
Inmitten des libertinären Aufbruchs und der Erfolge der antiautoritären 68-er Bewegung, erntete Crauer mit dem Text nur Kopfschütteln und Trivial-Psychologismen, die seine in diesem Text enthaltene Vision als katholisches Jugendtrauma abtaten und ihr keinerlei Realitätswert beimassen.
Crauer seinerseits verstand nicht, warum man die allgemeine Formel „Frommen“ auf irgendeine der Religionen beschränkte und die nach seiner Ansicht klar vorgezeichnete Entwicklung nicht kommen sah.
Seinem zweiten Versuch im Jahre 1992 den Text zu veröffentlichen, war nicht mehr Erfolg beschieden. Dies, obwohl zu der Zeit schon deutliche Anzeichen gab wie etwa die öffentlich bekannten Programmplanungen der Fernsehanstalten, an denen man Trends ablesen konnte. Wie zuvor im Iran des auslaufenden Schah-Regimes, kamen Serien zum Zug, die Kleriker, Nonnen und andere fromme Funktionäre in sympathischstem Licht und als einzige engagierte und intelligente Freunde der Jungen und der Benachteiligten darstellten. Oder, in leitende Funktionen und Schlüsselpositionen wurden immer öfters -in gewissen Organisationen gar systematisch- Rechtskonservative installiert.
Dass seine 68-er Altersgenossen gerne glauben wollen, dass sie epochale Veränderungen von ewiger Dauer geschaffen hätten (Crauer glaubt nicht, dass die derzeitigen Entwicklungen in die Jahre vor 1968 zurückführt, sie zielt nach seiner Meinung auf eine Rückkehr zu den Ideen vor Renaissance und Aufklärung), kann Crauer noch halbwegs verstehen. Für bedenklich hält er, dass die Jungen meinen, durch Ignorieren oder nicht Mitmachen der Machtgier und der Einflussnahme der „Frommen“ auf ihr Leben entgehen zu können.
Crauer sieht in seinen in seinen Analysen, nicht mal Vorhersagen, noch weniger Prophezeiungen, für ihn handelt es sich um ein seriöses, trotzdem lustvolles, Betrachten der Ereignisse und deren zwangsläufige Weiterentwicklung in den Mechanismen des Alltags. Es ärgert ihn heute nicht einmal mehr, wenn man seine Analysen leichthin oder faul als Jugendtraumatas oder Phantasien abtut. Er betrachtet seine Verknüpfungen von nur scheinbar solitären Ereignissen mit der Weltmechanik als intellektuelles Vergnügen. Es sei nur schlecht für das Bankkonto, dass sie für die Blinden und Aengstlichen zwanzig oder dreissig Jahre zu früh kämen, meint er.
Aergerlich wird er nur, wenn die Gleichen, die seine frühzeitigen Analysen kichernd abtaten, dann eilig zum Hörer greifen, wenn diese für jedermann sichtbar banale Realität geworden sind, und ihm eifrig eine Gelegenheit anbieten wollen, seinen eigenen Voraussagen hinterher zu schreiben. Da kann sogar mein Not leidendes Bankkonto drauf verzichten, sagt er.
J.U. Moonen
Anti-Lach-Gesetz
Die Regierung hat die gesetzlichen und technischen Voraussetzungen für die Inkraftsetzung des öffentlichen Lachverbotes geschaffen. So kann Lachen in der Öffentlichkeit schon vom nächsten Mai an bestraft werden.
Besondere Sorgfalt widmete die Behörde dem Toleranzartikel. In Städten von über 30'000 Einwohnern werden in der Kernzone mindestens alle 745 Meter Kabinen aufgestellt, in welchen das Lachen im äussersten Notfall weiterhin gestattet ist. In kleineren Dörfern ist wenigstens eine Kabine garantiert. Das Monopol für Fabrikation, Aufstellung und Betrieb will die Regierung der der Tabakindustrie geben. Damit soll ein Teil der dort verlorenen Stellen wieder belebt werden.
Die Kabinen basieren auf den seit 30 Jahren bewährten selbstreinigenden Einzelblocktoiletten. Neu ist die perfekte Schallisolierung, die jede Belästigung der gesetzestreuen Anwohnerschaft durch Lachen oder Verführung zu passivem Lachen verhindern soll. Bau und Betrieb sind weit kostengünstiger als bei der Toilettenversion, weil Reinigung und Schmutzwasser-ableitung entfallen, da die menschlichen Absonderungen hier vor allem akustischer Natur sind.
Aufstellung und Betrieb der Kabinen sind kostenmässig selbstragend, da deren Benützung obligatorisch ist und etwa fünf Euro kosten wird (plus zwei Euro Moralmehrwertsteuer, die zweckgebunden in zukünftige Volkserziehungsmassnahmen reinvestiert werden sollen).
Aber nur schmerzhafte Bussen können den überführten Tätern, die trotz des zur Verfügung gestellten straffreien Raums in den Kabinen, in der Oeffentlichkeit lachen, das Schmutzige und die besondere Verwerflichkeit ihres Tuns vor Augen führen.
Der Regierungschef teilte der Presse mit, dass auch ALISS, das akustische Lacher-Identifizierungs- und Strafsystem, Serienreife erreicht hat und zeitgleich an allen strategischen Orten montiert werden könnte. Man hat sich aber entschieden, damit zuzuwarten bis die neueste Version, nämlich das OLISS, das optische Lacher-Identifizierungs-und-Straf-System, landesweit montiert werden kann. Dieses verhilft nicht nur der Gerechtigkeit zum Durchbruch, indem es auch die stillen Grinser und heimlichen Schmunzler, die keine Töne von sich geben, erfasst und der gerechten Strafe zuführt. OLISS kann viel mehr! Es vermag selbstständig den Schweregrad der Lachvergehen zu unterscheiden und zu bewerten, dank des Chips unter der Haut jedes Bürgers dessen Identität zu erfassen und -verbunden mit der Datei des Einwohneramtes und angeschlossen an Drucker und Versendeautomaten- die Bussen vollautomatisch zu versenden.
Damit nicht genug: OLISS macht nicht nur eine spezielle Bussenverfügungsabteilung überflüssig, sondern auch die ursprünglich als notwendig erachtete Lachpolizei. So wird die Durchsetzung der Antilach-Gesetzgebung nicht nur selbsttragend, sondern für unser Gemeinwesen hoch lukrativ. Erst recht, wenn dann auch noch die DGT, die Dirty Grinser Tax, zum Tragen kommt. Diese spezielle Bestrafung der gemeinen Schmunzler und Grinser kann aber erst eingeführt werden, wenn an OLISS einige Vervollkommnungen angebracht sind und das Oberste Gericht überzeugt werden kann, dass die Kameras und die neue Software zum Beispiel „dämonisches“ und „brutales“ Grinsen eindeutig und rechtswirksam unterscheiden können.
Hoffen wir, dass die Mühlen des Obersten Gerichts nicht zu langsam mahlen und es der
Verwaltung endlich möglich wird, ihre Bürger auch auf diesem Gebiet gwinnbringend zu bewirtschaften.
Henriette Placides von Brentano über die Lyrik von Pil Crauer
Vorwort zu Pil
Crauers
Buch „liriche e poesie plurilingue europee“, bei Fiore Nero,
Milano
Sehen muss man die Lyrik von Pil Crauer, wenn Adolf Laimböck vom Deutschen Nationaltheater als der ins Unermessliche wachsende Prophet mit Drohung und Blitz Hass herbeizwingen will, beide aber am machtlosen Jungen abprallen und den Propheten selber verbrennen. Das war meine erste Begegnung mit Crauers Lyrik bei der Eröffnung des Mannheimer Kultursommers.
Oder hören muss man sie, wenn Michael Schacht in der Kirche des Kapuzinerklosters Stans den Propheten gibt und am Schluss all seine Superbe verliert bei dem einen Satz, den Marcel Metten als naiver Jedermanns-Junge von sich gibt.
Ueberhaupt ist es eine Erfahrung, die man mit vielen Gedichten Crauers macht: sie lullen ein, wie ein Rosenkranzgebet, wie die Incantation von Koranversen, wie das Uhrwerk eines gregorianischen Chorals, und wenn man versucht ist, zu den Wiederholungen den Oberkörper zu wiegen, kommt plötzlich das eine Wort, das im Kopf explodiert.
Oder dieser erratische Block des Pelagius-Rap, dieses Einmanndrama für einen Macho zwischen Aggressivität, LederundKettenfassade und immer mehr überhandnehmenden Selbstzweifeln. Da sollte sich nur ein begnadeter Schauspieler dranmachen. Dem möchte ich zuschauen.
Nur lesen, ohne sie zu sehen oder wenigstens zu hören, sollte man die Gedichte Crauers nicht, weder im Original, noch in der kongenialen Uebersetzung des jungen Diego Malcangi. Ausser die die Logik mit Logik meuchelnde „Maus im Haus“ oder das wunderbare „Requiem“
Henriette Placides von Brentano, Montevideo